(wer sich gerne Bilder anguckt, sollte mal auf die kleinen Ausschnitte klicken.)





Hauptsache laut und es knallt.
Angefangen hat das alles im November 1996. Damals war Anne der Name "Die Grätenkinder" eingefallen und damit es dazu auch eine Band gab, tat sie sich mit Flori, Dirk, und Christian zusammen. Die vier trugen erst mal alle Musikinstrumente zusammen, die sie finden konnten und machten ordentlich Krach. Bald wurden die Zusammentreffen in der Harxbütteler Grätenkinderzentrale (immer schon großspurig "Proben" genannt) regelmäßiger, erste Lieder wurden geschrieben und Musiker und Instrumente kamen sich langsam näher. Zur großen musikalischen Wertsteigerung trug der Bau eines Schlagzeuges aus Eimern und die gleichzeitige Aufnahme von Multitalent Merle in die Band bei, die innerhalb von zwei Tagen mal eben Schlagzeugspielen lernte. So wurde ein Jahr nach der Bandgründung in der Grätenkinderzentrale, die sich im Keller von Floris Elternhaus befand, das erste "richtige" Konzert gegeben und der Welt gezeigt, was Schnarrrock ist.
Die nicht für möglich gehaltene Begeisterung bei den ersten Fans ermunterte die Grätenkinder zu einem weiteren Aufschwung in die Ebene musikalischer Professionalität: Ein echtes Schlagzeug wurde gekauft. Inzwischen ranken sich einige Mythen um die Herkunft des dafür benötigten Geldes...
Das erste Demotape ...und ihr denkt es doch wurde im Frühjahr 1998 von Heine, schon damals Bassist von Tchi und den inzwischen legendären W.S.E., im Jugendzentrum B58 aufgenommen, in das die Grätenkinder wenig später auch ihren Übungsraum verlegten.







Liebe Jungs und Mädels, agiert schlauer!
Ende 1999 gab es dann zum ersten Mal Abschiedstränen bei den Grätenkindern. Bassist und Bandsympath Dirk verließ die Band um in Gießen zu studieren. Weil Heine die Lieder sowieso schon vom Aufnehmen kannte, lernte er wie man Schnarrrock macht und wurde Dirks Nachfolger an den dicken Saiten. In der neuen Besetzung wurden dann die noch mit Dirk begonnenen Aufnahmen zur Demo-CD agiert Schlauer! fertiggestellt.
Irgendwann um diese Zeit entstand nach langen Nächten mit Ideen in Vorstadtkellern auch das Label Omnidor, das sich in den Folgejahren mit Veröffentlichungen von Tchi, Gegenarbeit, die geschweiften Klammern, Revox Revolte, der Raketenhund und auch die Grätenkinder schmückte.
Nach und nach wurde es voller auf den Grätenkinder-Konzerten in Braunschweig und auf den umliegenden Dörfern, keine Ahnung weshalb. Jedenfalls wurde das CD-brennen für die ganzen Leute irgendwann lästig und eigentlich war das der Grund für die Veröffentlichung der ersten "richtigen" Grätenkinder-CD Ich hätte lieber etwas gern.










Quartett spielen im Tourbus
Im Frühjahr 2001 erschien dann die wie immer auf 8-Spur im Übungsraum aufgenommene CD Ich hätte lieber etwas gern. auf Omnidor.
Mit eigenem Label und richtiger CD im Säckel war es für die Grätenkinder jetzt höchste Zeit mal rauszukommen aus ihrer Stadt. Also gab es die ersten Konzerte außerhalb vom Großraum Braunschweig. Reis mit Scheiß, Nudeln mit Soße, Schlafsäcke auf AJZ-Fußböden und Quartett spielen im Tourbus. Sowas macht süchtig. Deshalb ging es kreuz und quer, hin und her und immer weiter zwischen Kiel und Tübingen, zwischen Münster und Niesky.
Konzerte mit Zuschauerzahlen zwischen 300 und 3 wurden von Wochenende zu Wochenende mehr und mehr zur Lieblingsbeschäftigung. Das Treffen mit Gleichgesinnten und gemeinsame Konzerte mit Lieblingsbands wie the Robocop Kraus, Grafzahl, Erdbeertörtchen, Les Aspirateurs, Gary und vielen anderen waren und sind dabei wohl das schönste.
Ein Höhepunkt im Grätenkinderleben war die gemeinsame Tour mit Gary im Oktober 2002. Liebe, Freundschaft, Bier und jeden Abend gute Musik. So hätte es weitergehen können, aber was geht schon so weiter wie es soll?
Schon seit einiger Zeit zogen sich kleine Risse durch das Bandgefüge, die Ende des Jahres 2002 schnell immer größer wurden. Anfang 2003 beschlossen Anne, Christian, Flori und Heine als Konsequenz daraus, ohne Merle weiterzumachen. Eine schwerwiegende Entscheidung, die für alle Beteiligten nicht einfach war.
Die Grätenkinder fanden sich drei Wochen vor ihrem Konzert in Münster am 7.2.2003 auf einmal zu viert und ohne Schlagzeugerin in einem Scherbenhaufen wieder, der ihnen bis zum Hals zu reichen schien. Doch wie schon ein alter Poesiealbumspruch sagt: "Immer wenn du denkst es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her..."






Auftritt Johanna
Wenn es noch drei Wochen bis zum nächsten Auftritt sind und die Position am Schlagzeug nicht besetzt ist, dann bleiben wohl nur zwei Möglichkeiten: Erstens das Konzert absagen oder zweitens einen Schlagzeuger finden, der alles in drei Wochen lernt. Was taten die Grätenkinder? Nichts von beidem. Die erste Woche wurde überlegt. Dann sagte Heine: "Zur Not spiel ich halt Schlagzeug." Das hatte er schließlich schon beim Raketenhund geübt. Das Schlagzeug war also wieder besetzt und das Problem war jetzt, dass jemand am Bass fehlte. Weil es nur noch zwei Wochen bis zum Konzert waren und weil sie nur wenig größer war als eine Bassgitarre und außerdem überhaupt noch nie auf einem Saiteninstrument gespielt hatte und damit bestens qualifiziert schien, wurde Johanna neue Grätenkinder-Bassistin. Innerhalb von nur zwei Wochen lernte sie ihr neues Instrument und traute sich damit auch gleich auf die Bühne. DAS ist Schnarrrock.


Die Grätenkinder in Buellebrueck
Nach zehn Konzerten und einigen neuen Liedern in der neuen Besetzung waren die Grätenkinder dann im Juli 2003 für ein paar Tage bei Tobias Siebert im Radio Buellebrueck Studio um zum ersten Mal anderswo als im Übungsraum aufzunehmen. Heraus kam dabei zunächst die Maxi-CD Wo Du Wohnst, die zur Tour im September 2003 erschien.
Die Wo Du Wohnst-Maxi dürfte wohl der am meisten verbreitete Tonträger der Grätenkinder bleiben. Das liegt vor allem daran, dass sie eine Zeitlang bei allen Grätenkinder-Konzerten direkt am Eingang für nur 2 Euro Aufpreis zum Eintritt dazugereicht wurde, zum anderen daran, dass sie die erste Kooperation mit einem externen Plattenlabel war. Michael Kolepke von Tumbleweed Records aus Köln, der bereits den Bands Grafzahl und Erdbeertörtchen zu einigem Ruhm verholfen hatte nahm sich der Grätenkinder an. Auch das 2004 folgende Grätenkinder-Album Serviervorschlag erschien bei Tumbleweed.


Auf der Autobahn / Auf der Bühne
2004 war für die Grätenkinder das Jahr mit den meisten Konzerten. Die Clubs wurden nicht unbedingt größer, aber inzwischen war es üblich,seltener als Vorband und meistens als Headliner zu spielen und damit selbst dafür verantwortlich zu sein wenn die Bude voll war. Neben den Heimspielen in Braunschweig wurde dabei vor allem Chemnitz zu einer echten Grätenkinder-Hochburg. Nicht zuletzt dank der großen Unterstützung des örtlichen Radiosenders Radio T und der Band Trick 17, die immer wieder Konzerte in ganz Sachsen organisierte und den Grätenkindern treue Begleiter und gute Freunde wurden. Auch 2005 wurden weiter Konzerte im ganzen Land gespielt, einmal schafften es die Grätenkinder sogar bis nach Österreich. Das Jahr markierte aber auch einen Wendepunkt in der Bandgeschichte.


Ich will hier nie alleine stehen
Heute lässt sich sagen, dass es das Einbiegen auf die Zielgerade war. Musikalische Nebenprojekte hatten alle fünf Grätenkinder schon immer. Doch langsam rückten Dinge in den Mittelpunkt, die sich zuvor immer der Band untergeordnet hatten. Studium beenden, Familie gründen, die Stadt verlassen, all das schien zunächst für eine Band wie die Grätenkinder kein Hindernis dafür zu sein, weiterzumachen. Schließlich hatte es in der Bandgeschichte schon öfter so ausgesehen, als ginge es nicht mehr weiter. Das nächste Album wurde geplant, neue Lieder wurden geschrieben. Doch die Zeit für Proben wurde knapper, das Entwicklungstempo der Band wurde immer langsamer. Vor allem aber ergaben sich kaum noch Möglichkeiten zu touren. Und das war es letztlich immer was die Band in den letzten fünf Jahren am liebsten gemacht hatte. Konzerte waren die Momente in denen die Grätenkinder als Band wirklich lebten, in denen sich ihre Musik so darstellte wie sie war: Wild und ungestüm und voll nach vorne los.

2006 wurden nach fünf Jahren voller Wochenendtouren insgesamt nur drei Konzerte gegeben, allesamt in der unmittelbaren Nähe. Und auch 2007 sahen die Chancen auf Besserung nicht gerade gut aus. Im März 2007 stand die Band vor der Wahl, ihrer eigenen schleichenden Auflösung bei gelegentlichen Zusammenkünften zuzusehen oder selbst aktiv zu werden. Da sich niemand erneute Umbesetzungen vorstellen konnte und bei den gelegentlichen Proben alle so langsam das Gefühl beschlich, selbst die neueren Lieder seien aus einer längst vergangenen Zeit, stand der Entschluss fest, ohne dass ihn wirklich jemand ausgesprochen hatte: Noch ein großes Abschiedskonzert im Sommer und dann ist Schluss mit den Grätenkindern.

KOMMT ALLE!
20.07.2007, 20:07 Uhr im Nexus in Braunschweig:
Die Grätenkinder zum letzten Mal live.

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