Tourtagebuch von Jan

28. März 2001: Tübingen, Epplehaus (+ Awful Noise)

So. Wir sind gerade auf der Autobahn Nr. 81, irgendwo zwischen Stuttgart und Heilbronn und noch ungenauer zwischen Tübingen und Nürnberg. Und Merle Randale fasst mir ans Knie und redet sich dann damit raus, sie hätte schalten wollen. Ja ja, wofür so ein Roadstar so herhalten muss.

Poren-Flori isst sein Kaugummi mit Papier. Der Herr der Handwerkergitarre hat das Kotze-Gehirn gerade auf keinen Fall. Später hat er beteuert, es wäre ihm danach viel besser gegangen. Soso.

Gestern, am Tag des einmarinierten Herings, sind wir ja nach Tübingen (die Merle greift mir schon wieder ans Knie, die Sau!) gefahren, weil die netten Menschen dort vom Epplehaus sich gedacht hatten, dass das Grätenkinder-Terrorkommando dort mal einfallen müsste. Zuerst schien man uns allerdings für Jesus-Freaks zu halten, aufgrund des komischen Fiatgefährts von der Kirchengemeinde Waggum, das ausser göttlichen Botschaften, von aussen auch voller lustiger Lokalwerbung ist, jedoch von innen zum Bersten voll mit Schnarrrock war ("Ööööööööööhrrrps... tschuldigung").

Der Beginn der Grätenkinder-CDU-CSU-Tour 2001, also. Baden-Würtemberg-Bayern. Da durfte man sich dann schon noch mal eine Castor-Diskussion zum politischen Aufwärmprogramm genehmigen.

Bis nach Tübingen gab es aber noch einiges zu verpassen. Heine zum Beispiel verpasste wie Flori einen Doppelkeks gegessen und sich sein Getränk statt in die Stirn, auf seine Hose gießte, äh, gegossen hat. Und Flori wiederum verpasste es mich im Quartett Feuerstühle zu schlagen. Der beste Feuerstuhl ist übrigens die Herkules Jogging, wobei die Herkunft dieses Namens bei umwerfenden 1,5 PS unterm Sattel, offenkundig scheint. Wann gibt's eigentlich das erste Fahrrad-Quartett?

Ich jedenfalls verpasste dann auch etwas, nämlich mein Gehirn dort einzusammeln, wo ich es an dem Tag verloren hatte.

Na ja, zumindest verpassten wir nicht den richtigen und direkten Weg zum Epplehaus in Tübingen, wenn es denn dort überhaupt so etwas wie einen direkten Weg gibt. Floris Ortskenntnissen, selbst ohne Gehirn, seien Dank. Übrigens gab es dann dort in Tübingen am Tag des einmarinierten Herings, na, was wohl...? Genau, Spätzle (sprich: Spätzla). Die Schwaben sind schon ein eigenwilliges Völkchen. Wer weiß, vielleicht gibt es dort jetzt zu Ostern auch Schoko-Weihnachtsmänner.

Tja, und dann kam die Sensation. Satte vier Tore beim Soundcheck. Und der hat nun wirklich nicht übermäßig lange gedauert. Die Grätenkinder also topfit und bereit die Schnarrrockrakete zu zünden. Schade nur, dass nur so wenig Tübinger diesem Ereignis beiwohnen wollten. Aber immerhin waren so etwa 20 bis später 50 Leutchen da. Ist ja schon mal etwas. Darunter auch so ein lustiges, kleines Dickerchen, den ich schon vom Tchi-Konzi im Epplehaus kannte und der sogar 2-3 mal für ein paar Sekunden den Pogo der Nuller dahingespackt hat, wie man es kaum besser hätte tun können. Überhaupt schien dieses Männekieken alles begriffen zu haben, und hörte kaum auf nach mehr Schnarrrock zu krakelen. Super!

Das galt im übrigen dann auch für den Auftritt der Grätenkinder trotz einiger tieftönend-technischer Probleme, die jedoch von Poren-Flori geschichtenerzählender- und parolenplärrenderweise gewohnt gekonnt überbrückt wurden. "Fickt euch, Mörder. Nazischweine!" Das Publikum hingegen schien durch derartige Offenbarungen manchenmomentes eher wie paralysiert. Möglicherweise war die Form der Botschaft der Studentenstadt Tübingen etwas zu eindeutig. Dennoch schien es, als sei man dort doch ganz angenehm unterhalten worden. Und für uns war es allemal recht spaßig.

Flori durfte sogar öffentlich bei einer lokalen Radiosendung die Headliner des Abends und deren Leipzscher Heimat beleidigen. Ich war mir nicht so recht sicher, ob's Absicht oder ein Versehen war. Awful Noise, so hiessen die Jungs, waren jedenfalls auch ein ganz netter Haufen. Zu drei Vierteln, soweit ich weiß waren sie übrigens Sorben. Das ist wohl so ein aussterbendes Mini-Völkchen aus Sachsen, glaub' ich, mit eigener Sprache. Davon haben sie dann später auch so viel und so schnell gesprochen, dass der gute Heine seine liebe Müh' und Not hatte in den wohlverdienten Schlaf zu finden, vielleicht auch ein bisschen wegen der 8. Klasse-Klassenfahrt-Atmosphäre die in der Turnhalle der Kindertages- und unserer Nachtruhestätte aufkam.

Alles in allem haben die Grätenkinder diesen Tag jedenfalls, wie die Nationalelf mit 4:2 gewonnen, denke ich. Wo drin und gegen wen weiß ich eigentlich gerade nicht so recht, aber warum, das kann ich euch sagen. Nämlich weil Anne drei mal für eine Viertelstunde Schluckauf hatte, das macht ihr so schnell niemand nach. Und weil alle GTK's Geilheit studieren, wie Flori Tübingen (Ortsschild: groß: Universitätsstadt, klein: Tübingen) zu erzählen wusste. Beim kickern haben wir uns im übrigen auch nicht so schlecht geschlagen ("Dange!"). Außerdem hat Poren-Flori heute morgen gesagt: "Ey, ich habe gerade soviel gekackt, dass es fast nicht abgelaufen wäre. Mindestens 3-4 Pfund!". Anne meint dazu (schriftlich): "Nun wissen wir: Qualität statt Quantität."

"Du gehst raus und schaust dir den Kack an. Ich weiss, dass du denkst, dass keiner was dafür kann.", zitiere ich (ebenfalls schriftlich) und sage, dass Flori wohl dran schuld ist. Dafür ist Merle dann dran schuld, wenn Floris Gitarre MKS kriegt. Und das, weil man ihr in der Dönerbude Hackfleisch untergejubelt hat. Das gammelt jetzt im Übungsraum vor sich hin. Soviel also zur Völkerverständigung.

Selbst schuld ist zumindest jeder, der nicht zum Konzert gekommen ist, oder lieber Rammstein (welche nun wirklich überhaupt nicht rocken) gehört hätte. Heine sagte dazu gestern abend: "Der soll sich unten mal ordentlich einen beipacken gehen!". Anne glaubt deswegen (wieder schriftlich, die Anne ist aber auch immer so schlau und lustig und hilft mir, dass ich solche Sachen auch aufschreiben kann), also die Anne glaubt, dass Heine in echt auch immer 'nen Löffel dabei hat. Ob er den, wie Torsten bei Flori schon gemutmaßt hat, auch verschluckt hat, weiss ich aber nicht so genau. Ich hab leider nur'n Messer dabei. Zwei sogar. Dafür is'aber eins davon ganz gross und scharf. Und ich bin jetzt erst mal scharf auf'n Apfel bevor ich den Kutscher geben darf.

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