Tourtagebuch von Jan

29. März 2001: Nürnberg, Kunstverein

Später. Jawohl, die Fahrt von Tübingen nach Nürnberg ging doch ziemlich fix vorüber. Und wir waren kaum angekommen, da gab's auch schon lecker Abendessen bei Isa vom Kunstverein in Nürnberg. Auch sonst gab's da in ihrer WG 'ne Menge zu bestaunen. Zum Beispiel Kanone-Bier von dessen knallender Wirkung ich mich später noch persönlich überzeugen durfte. Außerdem hingen da noch knorke Wahlplakate der lokalen Polit-Überflieger die Guten. Eine Partei mit 'nem bewusstlosen Sozialisten auf den Listen kann ja auch nur gut sein. Und eine Katze lief dort auch noch rum, aber die war wohl eher ein kleiner Schisser, und hat sich wie die meisten Nürnberger nicht so recht getraut zu den Grätenkindern zu gehen. Beim Konzert im Kunstverein jedenfalls waren leider nur 9 zahlende Zuhörer und -schauer. Wenn der Amen81-Thorsten nicht zum Aufnehmen ins Studio gemusst hätte, wären's vielleicht 10 gewesen, aber so hat er mir immerhin noch die wunderbare "Stadtfeind"-zehn-inch-Platte mitgebracht, da hab ich mich doch sehr drüber gefreut. Die paar Leute, die dann beim Konzert da waren, fanden es aber wohl alle recht gut. Jedenfalls hat jetzt mehr als die Hälfte von denen, die neue GTK-CD zu Hause. Und es mussten auch in echt wieder Autogrammwünsche erfüllt werden. Aber mir sind die Grätenkinder auf der Bühne ja auch immer wieder sehr sympathisch und das scheint doch auch anderen Leuten so zu gehen.

Und schließlich gab es ja auch noch Unterstützung eines kleinen, aber feinen Fangrüppchens aus Giessen/Mainz, die wir beinahe noch hätten mit unterbringen müssen. Das wär' sicher noch ein Spaß geworden, doch der ADAC hat sie dann davor bewahrt.

In sportlicher Hinsicht war der Abend, was das Verdrücken von 2,5 Kilo Hanuta und die Kicker-Duelle mit der örtlichen Belegschaft betrifft nicht ganz so erfolgreich. Aber immerhin musste keiner von uns nackt unterm Krökeltisch hindurchtanzen, wie uns bei einer 0-Nummer zeitweilig angedroht wurde.

Und irgendwann, nach netter Unterhaltung mit Isa und Heine und zwei Kanone-Bieren konnte dann auch ich endlich einschlafen.

Am nächsten Tag stand dann zum Tourabschluss noch ein bisschen Stadtbesichtigung in der Metropole der Bratwurstigkeit an. Das war schon wirklich faszinierend, wie man in einer einzigen Innenstadt so häufig das Wort Bratwurst bzw. Wurst im allgemeinen lesen konnte. Na ja, also stiefelten wir vorbei an Bratwurst-Eck und Bratwurst-Point (!) über den berühmt-berüchtigten Christkindlesmarkt hinauf zur Kaiserburg, um ein bisschen frische Luft und Ausblick zu geniessen. Uns zum Sackhüpfen zu bewegen war infolgedessen allerdings einfach nicht mehr möglich. Wer sich von den Grätenkindern unterhalten lassen wollte, hätte ja auch tags zuvor zum Konzert gehen können. Immerhin hatte Flori noch soviel Kraft einen armen Obergefreiten zusammenzuschreien. Ich glaube, in dem Moment hat sich Nürnberg ganz schön erschrocken. Aber mal ehrlich, Schnarrrock hat doch nun wirklich nicht allzuviel mit Seelsorge zu tun, oder!?

Also ließen wir Nürnberg erschrocken zurück, um uns in etliche Stauphasen zu stürzen, während derer, ganz im Sinne von easy going, zum Büdchen und zur Tanke gelatscht oder jungreiche Audifahrer mit Alufelgen auf dem Beifahrersitz mit Punkrock belästigt, oder sich, wie es sich gehört, ordentlich verbimst wurde. Auch hier schien man uns den Blicken der anderen Stauteilnehmer nach zu urteilen für Jesus-Freaks, statt für Schnarrrocker zu halten. Aber was ist schon eine Aufschrift auf einem Bus gegen den Schnarrrock unter unseren dreckigen Kl(am)otten. Häh?!

Und ein paar Stunden später waren auch diese drei herrlichen Tage, bei einer Portion Spaghetti mit Soße (mit scharfem s in der Mitte, bitte) zum Ausklingen verdammt. Doch eine wichtige Erkenntnis bleibt selbstverständlich:

Nach der Tour ist vor der Tour!

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