Tourtagebuch von Christian

15. März 2002: Langenhagen, Café Monopol

Mit dem ollen Mercedes von Floris Eltern und einem Anhänger fahren wir nach Langenhagen. Der Anhänger, das Arschloch. Ist ja schon ziemlich billig seine Instrumente, oder sein Equipment, wie wir Profis sagen, mit sowas rumzufahren. Ungefähr zehnmal so billig zu mieten wie ein Tourbus. Aber er treibt einem beim Rückwärtsfahren jedes Mal Angstschweiß auf die Stirn und Verzweiflungstränen in die Augen. Was noch ziemlich unpraktisch ist, ist dass man so ein Ding nicht abschließen kann, aber dazu später mehr. Außerdem sind wir mit unserem Gespann gerade mal so schnell wie die Lastwagen, die wie immer die gesamte rechte Spur der Autobahn 2 einnehmen. Würde das alles auf der Schiene, wo es hingehört, dorthin transportiert werden wo es hin soll, dann bräuchte keine Autobahn dreispurig ausgebaut werden. Und wenn dann auch noch alle Pendler statt alleine in ihrem dicken BMW zu fahren schön mit der Bahn unterwegs wären UND es ihnen dann noch die Urlauber gleichtun würden, ja dann wären die einzigen die noch Autobahnen bräuchten Bands, die mit ihrem EQUIPMENT von einem Konzert zum nächsten fahren. Nie Stau, und wenn doch mal gleich lauter nette Leute um einen rum und Gesprächsstoff sowieso („Alter was habt ihr denn für ne geile Karre? Ich hab 16 Ventile in Gold!“ oder irgendwas über Gitarren halt). Da dem aber nicht so ist und wir somit ein Teil des großen stinkenden Monsters A2 sind, fährt Flori immer schön im Windschatten der großen LKWs. Dann sind wir nämlich schneller und brauchen weniger Sprit. Wenn bloß die Stoßstange vor uns nicht immer so nah dran wäre... Das Café Monopol ist ein netter Laden. Und nett soll hier wirklich nett heißen und nicht nur nett. Denn wer einmal am Tag GUZ hört, kann ja bekanntlich kein schlechter Mensch sein. Klein aber fein sieht es drinnen aus und der Herr Maurmann und seine Geschmacksgenossen bieten uns die beste Aufbaumusik, die wir je hatten. Auch der Kirschsaft-Test wird mit Bravour bestanden. Erstens: Sie haben hier welchen. Zweitens: Gute Marke. Und drittens: Mit oder ohne Ba(nanensaft) erhältlich. Ob denn überhaupt Gäste zu erwarten sind, bei dem Konkurrenzprogramm (Bazooka Cain, Erobique und Superpunk) im Nachbardorf Hannover, fragen wir uns. Es kommen aber doch ein paar Leute und wir fangen recht pünktlich an. Heine kontert gewohnt charmant die Schneller-lauter-härter-Fraktion aus und zerstört eine Bassseite, worüber sich Anne und Flori freuen, denn wann hat man schonmal Pinkelpausen während eines Konzerts? Als wir schon beim letzten Lied angekommen sind, kommt unser einziger wahrer Fan André rein und, ob die anderen wollen oder nicht, wir müssen noch ein paar Lieder für ihn spielen. Die anderen scheinen auch zu wollen, also wird nochmal schön in der Mottenkiste gekramt und dann in Zufriedenheit auf allen Seiten das Konzert abgeschlossen. Es ist noch recht früh, wie wir feststellen und über die uns zur Verfügung stehenden Kommunikationskanäle erfahren wir, dass Superpunk noch nicht angefangen haben, zu spielen. Da sich das Café Monopol sowieso schon recht schnell leert, bauen wir ab, laden ein und fahren rüber nach Hannover, wo wir beim Glocksee mal einfach dreist vor der Haustür parken. Aber alleine wollen wir unseren Anhänger aus dem oben erwähnten Sicherheitsmangel natürlich auch nicht lassen. Also denken wir uns ein außerst kompliziertes Konzept aus, nach dem jeder von uns immer 20 Minuten Superpunken darf und dann fünf Minuten den Anhänger bewachen muss. Nicht gerade die perfekte Art ein Konzert anzuschauen, aber besser als gar nichts. Superpunk sind Medizin. Ein Krafttrunk für die nächsten Tage. Und den können wir gut gebrauchen.

Zurück zur Chronik